30 Fragen, zwei Kandidatinnen und ein volles Haus
Wahl zur Bürgermeisterin
Huntlosen fühlt Bürgermeister-Anwärterinnen auf den Zahn
Der Countdown für die Kommunalwahl am 13. September 2026 läuft – und das Interesse in der Gemeinde Großenkneten ist riesig. Das wurde am Mittwochabend im Feuerwehrhaus Huntlosen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Bürgerverein Huntlosen von 1964 e.V. hatte zum großen „Bürgerforum“ geladen, und rund 130 Bürgerinnen und Bürger folgten dem Ruf. Das Feuerwehrhaus war bis auf den letzten Platz besetzt, als die beiden Kandidatinnen für das Bürgermeisteramt, Heike Siedenberg und Imke Haake, auf dem Prüfstand kamen.
Unter der Moderation von Sebastian Merz entfaltete sich ein ebenso intensiver wie nahbarer Abend. Das Konzept: Ein Fragenkatalog aus 30 Fragen, aufgeteilt in fünf Themenblöcke, die den Kandidatinnen alles abverlangten – von privaten Einblicken bis hin zu harten politischen Konzepten für die Zukunft der Gemeinde.
Von der Palme ins Rathaus: Persönliche Einblicke
Gleich zu Beginn im Block „Persönlich & privat“ ging es darum, die Menschen hinter den politischen Gesichtern kennenzulernen. Was war die Motivation, das höchste Amt der Gemeinde anzustreben? Gab es den einen Schlüsselmoment für die Kandidatur? Die Antworten machten deutlich, dass beide Frauen mit viel Herzblut im Leben stehen. Auf die Frage von Moderator Merz, was sie im Alltag „auf die Palme bringt“, blitzte bei beiden Kandidatinnen sympathische Authentizität auf, während sie beim Thema „Abschalten“ Einblicke in ihr Familien- und Freizeitleben abseits des Wahlkampfgetümmels gaben.
Die Zukunft von Huntlosen: Schlafdorf oder lebendige Gemeinschaft?
Besonders emotional wurde es beim Schwerpunkt „Huntlosen & Dorfgemeinschaft“. Huntlosen ist für den Bürgerverein, der unter der Leitung der Vorsitzenden Hilke Müller und Lars Hildebrandt steht, eine Herzensangelegenheit. Das spürte man auch im Saal.
„Wie verhindern wir, dass kleine Orte irgendwann nur noch Schlaforte werden?“, wollte Sebastian Merz wissen. Ein wunder Punkt, der den Nerv der 130 Zuhörer traf. Haake und Siedenberg machten beide deutlich, wie essenziell die Unterstützung von Vereinen und dem Ehrenamt für das dörfliche Leben ist. Es brauche konkrete Konzepte für junge Familien, damit Huntlosen attraktiv bleibt – angefangen bei der Infrastruktur bis hin zur Stärkung der lokalen Identität.
Baustellen der Gemeinde: Verkehr und Wohnraum
Im dritten Block ging es an die handfesten Probleme. Verkehr, Wohnen und Infrastruktur standen auf dem Zettel. Welche Prioritäten setzen die Kandidatinnen? Straßen, Radwege oder der ÖPNV? Die Diskussion zeigte, dass der Alltagsfrust über den Zustand mancher Verkehrswege auch an den Bewerberinnen nicht spurlos vorbeigeht. Beim sensiblen Thema Wohnraum herrschte Einigkeit darüber, dass neuer Wohnraum dringend benötigt wird, der charakteristische, dörfliche Charme von Huntlosen dabei jedoch keinesfalls auf der Strecke bleiben darf. Auch der Klimaschutz auf kommunaler Ebene wurde von beiden als Pflichtaufgabe für die kommenden Jahre definiert.
Jugendbeteiligung und die Frage nach dem „Gegenwind“
Wie nimmt man die Jugend mit und wie sichert man Lebensqualität für Senioren? Im Bereich „Kinder, Jugend & Senioren“ forderten die Fragen kreative Ansätze für mehr Mitspracherecht von Jugendlichen in der Gemeindepolitik.
Hitziger wurde es beim finalen Block „Politik & Führung“. Hier mussten die Kandidatinnen Farbe bekennen: Was unterscheidet sie von der Mitbewerberin? Wie gehen sie mit Kritik und dem sprichwörtlichen „Gegenwind“ um? Auf die Frage nach der Definition von „bürgernaher Politik“ versprachen beide, regelmäßig und nahbar in den einzelnen Ortsteilen präsent zu sein.
Kaffee, Tee und das Feuerwehrfest: Der lockere Ausklang
Nach dem Marathon aus 30 Fragen mussten Siedenberg und Haake sich in der finalen Schnellfragerunde spontan entscheiden:
Frühaufsteher oder Nachteule?
Telefonieren oder WhatsApp?
Kaffee oder Tee?
Feuerwehrfest oder Ratsversammlung? (Hier gab es im Feuerwehrhaus natürlich einen klaren Favoriten im Publikum!)
Die Entweder-Oder-Fragen brachten den Saal noch einmal zum Lachen und zeigten die menschliche Seite der potenziellen Rathaus-Chefinnen. Am Ende blickten beide optimistisch auf eine mögliche achtjährige Amtszeit voraus.
Fazit des Abends: Der Bürgerverein Huntlosen hat mit diesem Forum bewiesen, wie lebendig die Demokratie vor Ort ist. Die Bürgerinnen und Bürger strömten zahlreich herbei, um sich selbst ein Bild zu machen. Wer am 13. September das Rennen macht, bleibt offen – fest steht nach diesem Abend im vollbesetzten Feuerwehrhaus jedoch: Huntlosen hat genau hingehört.
